NO.77 “GOOOOOD MORNING VIETNAM!!!”

Bei den heute angesagten 35 Grad war der Plan, so früh wie möglich rauszugehen und Ho Chi Minh City zu erkunden. Also zumindest den District 1, das Zentrum dieser riesigen Stadt. Daher haben wir uns schon pünktlich um 8 Uhr am BenThanh Market mit unserem Local Guide „Alice“ – typisch vietnamesischer Name 🙂 – getroffen.
Das Handeln in dieser Markthalle war bereits am Morgen voll im Gange: Textil-Plagiate, Taschen, Koffer, bestens gefälschte Uhren und Sonnenbrillen aller erdenklichen Marken konnten hier erworben werden – und als wir Wessi-Touristen durch die engen Gänge liefen, hatten wir Mühe, die vielen Shirts, Hosen oder Taschen, die uns schon fast in die Hände gedrückt wurden, abzuwehren. Ein freundliches „no thank you“ konnte die Händler wahrscheinlich nur wenig befriedigen…aber an diesem Morgen waren wir noch nicht kaufwillig. Modeschnickschnack und Lederartikel wurden nach und nach abgelöst durch kleine Streetfood-Stände, frisches Obst und Gemüse. In der Fleisch- und Fischabteilung wurde der Geruch etwas beißender 🙂 Nix mit Kühltheke hier – die Ware liegt auf offenen Platten zum Kauf bereit – immerhin wurde der ein oder andere Fisch im Eisbad gehalten…

Wir folgten Alice weiter aus der Markthalle durch die Straßen der Stadt in Richtung Cityhall, die auf keiner Stadtführung fehlen darf. Straßen als Fußgänger zu überqueren hatten wir ja bereits geübt und so klappte der Fußmarsch problemlos! Vorbei an schmalen Town Houses, sanierungsbedürftigen Wohnhäusern und dann wieder modernen Glaspalästen zeigte sich Saigon schon architektonisch sehr bunt.

Die Cityhall und das berühmte Rex Hotel direkt gegenüber versprühten noch immer den altehrwürdigen Kolonialstil, der aus der vergangenen, französischen Kolonialzeit stammte. Am Kopfe der angrenzenden, ewig langen Paradestraße (Walking Street Nguyen Hue) begrüßte die Statue des Namen gebenden Herren „Ho Chi Minh“ mit winkender Hand scheinbar noch immer die Neuankömmlinge, die über den Fluss Sai Gon den Weg in die Stadt fanden.

Unser Weg führte uns kreuz und quer, am Caravelle Saigon Hotel vorbei zum Opera House und anschließendem kurzen Stopp im nostalgischen Cong Ca phe. Bei Coconut Coffee und Mango Smoothie kühlten wir uns in dem ganz nett eingerichteten Café im vintage-vietnamesisch-Armee-Style etwas ab und plauderten mit Alice, die mit uns heute ihre erste eigenverantwortliche Tour durchführte (dementsprechend schüchtern war sie auch…).

Wieder raus in die Hitze standen das Hauptpostamt und Notre Dame of Saigon auf dem Plan. Der kleine Bruder der Pariser Kirche war wegen Sanierung nicht zugänglich aber das sehenswerte Hauptpostamt nahmen wir näher in Augenschein. Hier werden noch tatsächlich Briefe über das Postamt verschickt – das kennt man aus der Heimat schon fast nicht mehr. Für die Vietnamesen, die nicht schreiben und lesen können aber dennoch einen Brief verschicken wollen, sitzt hier tagtäglich ein 87-jähriger Mann bereit, der bei Bedarf sogar sowohl ins Französische als auch ins Englische übersetzen kann! Der Gute ist schon seit nahezu 70 Jahren in diesem Hauptpostamt tätig und der eigentliche Star dieser Sehenswürdigkeit!

Nach einem kleinen Blick in die recht neue, idyllische Saigon Book Street – hier hatten sich einige Buchhändler angesiedelt – nahmen wir schon Kurs auf den letzten Stopp der Tour, dem so genannten Independence Palace. Wir waren heute mal wieder von der schnellen Sorte und hatten unsere Stadtführung hier statt der eingeplanten 4 Stunden in weniger als 2 Stunden absolviert 😉

Für uns aber kein Problem, wir machten uns einfach auf eigene Faust wieder los! Zum Abkühlen war das Saigon Centre gut geeignet, eine mehrstöckige Shopping Mall, die auch im modernen Saigon nicht fehlen darf. Und da wir uns nun in Shopping-Laune „gelaufen“ hatten, kamen wir beim zweiten Besuch des Ben Thanh Market ebenfalls mit einer Einkaufstüte samt hart verhandelten Textil-Plagiat heraus…

Wir setzten unseren Weg durch die Stadt fort und erkundeten jede Seitenstraße mit Interesse und Faszination, da sich immer wieder Szenen des alltäglichen Lebens hier zeigten, die wir aus Europa (fast) so nicht mehr kennen. Vom ärmlichen Schuhmacher, den unzähligen Garküchen auf dem Bürgersteig über Fahrrad fahrende Händler und Frauen, die ihre Waren über der Schulter hängend transportieren, war hier Einiges dabei.

Durch Zufall sind wir passend zur Lunch-Zeit am hippen New Ben Than Streetfood Market – eher eine kleine Markthalle Neun analog Berlin – gelandet und haben uns mit Spring Rolls und Sticky Rice with Mango versorgt. Die Shopping Mall im Vincom Center war die nächste willkommene Abkühlung, bevor wir uns die Kolonialgebäude der berühmten und luxuriösen Hotels Rex Hotel Saigon und Hotel Continental von innen ansahen. In die historische Bedeutung der Gebäude vor allem im Vietnam-Krieg reihte sich auch das nicht ganz so koloniale Caravelle Hotel ein – und mit der “Saigon Saigon Bar” auf dem Rooftop im (nur) 7. OG war das der perfekte Ort am Nachmittag für ein, zwei Sundowner mit Blick über die Stadt! Bis die letzten Sonnenstrahlen am vor Hitze flimmernden Horizont verschwunden waren, hatten wir neben den Sundownern auch unseren Dinner-Snack eingenommen, sodass wir uns gemütlich wieder kreuz und quer durch die großen und kleinen Straßen zurück Richtung Hotel arbeiten konnten.

Nach 12 Stunden on Tour kamen wir erst in der Dunkelheit wieder zurück, da machte es auch fast nichts mehr aus, dass wir ein Zimmer ohne Tageslichtfenster hatten 🙂

Ein Gedanke zu “NO.77 “GOOOOOD MORNING VIETNAM!!!”

  1. Heute habe ich euren Bericht und eure Bilder mit noch mehr Interesse gelesen und angeschaut, da ich in Saigon schon einmal war. Das war mir alles so vertrsaut und der alte Herr saß auch 2012 schon im Postamt und hatte immer zu tun. LG

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